© sus+e   Aktuelles  

Die Schilddrüse
Die Schilddrüse ist eine kleine Hormondrüse, doch der ganze Körper unterliegt ihrem Diktat. Nur ein paar Millionstel Gramm der von ihr produzierten Hormone zu viel oder zu wenig lassen das System Mensch in Schieflage geraten und machen mehr oder weniger unbemerkt aus einem gesunden Menschen einen Kranken.

Die Schilddrüse sitzt im Halsbereich unmittelbar vor der Luftröhre. Sie wiegt nur etwa 20 Gramm und ist geformt wie ein Schmetterling. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die zwei Hormone Trijodthyronin und Thyroxin zu produzieren, die den gesamten Stoffwechsel steuern und Einfluss auf Wachstum, Körperentwicklung und das seelische Befinden haben. Darüber hinaus sind sie an der Regulation von Nerven, Muskeln, Herz und Kreislauf beteiligt. Zwei Areale im Gehirn fördern die Freisetzung von Schilddrüsenhormonen, der Hypothalamus und die Hypohyse. Sie tun dies mit Hilfe der Botenstoffe. Sind genug Schilddrüsenhormone im Blut vorhanden, registrieren die beiden Hirnareale dies und drosseln die Signale an die Schilddrüse bis der Hormonspiegel wieder sinkt.

Über- und Unterfunktionen der Schilddrüse, medizinisch Hyper- und Hypothyreose genannt, treten sehr häufig auf, und sind beide anfangs oft schwer zu erkennen. Mitunter tun sich auch Ärzte bei der Diagnose schwer. Bei der Überfunktion produziert die Schilddrüse mehr Hormone, als dem Körper gut tun. Der Organismus läuft dann auf Hochtouren, und es kommt zu überschießenden Reaktionen.

Bei der Unterfunktion ist es umgekehrt. Wegen der zu geringen Menge an Schilddrüsenhormon läuft der Organismus auf Sparflamme. Etwa zwei- bis viermal mehr Frauen als Männer sind von solchen Schilddrüsenstörungen betroffen.

Bei einem andauernden Jodmangel versucht die Schilddrüse, den Hormonbedarf des Organismus zu sichern, indem sie mehr hormonproduzierendes Gewebe bildet, wobei sie sich vergrößert. Es bildet sich ein Kropf, fachsprachlich Struma genannt, in dem sich im Laufe der Zeit so genannte heiße und kalte Knoten entwickeln können. Heiße Knoten produzieren nunmehr unabhängig von der Steuerung durch die Hirnanhangsdrüse, vermehrt Hormone und können so zur Überfunktion beitragen. Dem ist oft nur durch ein Operation beizukommen. Kalte Knoten sind in aller Regel harmloser, es sei denn, sie sind was selten vorkommt bösartig und müssen operativ entfernt werden. Daher sollten Schilddrüsenknoten stets von einem Arzt beurteilt werden.

Auf der Basis von Autoimmunerkrankungen kann es zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse und zur Basedow-Krankheit mit Vergrößerung der Schilddrüse und Überfunktion kommen. Möglicherweise tritt aber auch eine Hashimoto-Thyreoiditis auf, die meist eine sich über Jahre entwickelnde Unterfunktion nach sich zieht.


Die typischen Symptome

Unterfunktion Überfunktion
Depression
Vergesslichkeit
Abgeschlagenheit
Schlafstörungen
Reizbarkeit
Nervosität
Haarausfall
Brüchige Fingernägel
Haar/Haut zu trocken
Haarausfall
Weiche Fingernägel
Feuchte, warme Haut
Langsamer Puls Schneller Puls
Herzrhythmusstörungen
Verstopfung Durchfall, Heißhunger
Fehlgeburten
Unfruchtbarkeit
Starke Menstruation
Potenzschwäche
Fehlgeburten
Unfruchtbarkeit
Zyklusstörungen
Gewichtszunahme
Kälteintoleranz
Gewichtabnahme
Wärmeintoleranz
Mukelschwäche Mukelschwäche
Muskelzittern


Medikamente immer eine Möglichkeit

Am Anfang der Behandlung einer Über- oder Unterfunktion steht der Einsatz von Medikamenten. Bei der Unterfunktion sind dies besonders Schilddrüsenhormon-Ersatzpräparate. Sie müssen meist ein Leben lang eingenommen werden, befreien den Patienten aber dauerhaft von Beschwerden.

Wird ein Jodmangel als Ursache der Unterfunktion nachgewiesen, kann der Patient dieses Defizit mit Jodtabletten aus der Apotheke ausgleichen. Auf diese Weise erhält sie Schilddrüse wieder genug des Spurenelements für eine optimale Hormonproduktion.

Bei einem Zuviel an Schilddrüsenhormonen kommen zunächst so genannte Thyreostatika zu Einsatz. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die die Hormonproduktion der Schilddrüse drosseln, die Ursache der Überfunktion jedoch nicht beheben. Auch diese Präparate müssen dauerhaft eingenommen werden. Reicht das nicht aus, kann der Patient noch mit radioaktivem Jod behandelt werden. Dieses wird in der Schilddrüse gespeichert und reguliert den Stoffwechsel nach und nach wieder.

Eine weitere Möglichkeit der Behandlung besteht in einer Operation, bei der Schilddrüsengewebe entfernt wird. Solche Eingriffe sollten wegen der diffizielen Strukturen im Halsbereich und wegen der unmittelbaren Nähe zur Luftröhre nur von spezialisierten Endokrino-Chirurgen vorgenommen werden.